Wenn Google zum Weiterbildungsanbieter wird

Google als Weiterbildungsanbieter

Google im Blick. Das Unternehmen ist längst mehr als eine Suchmaschine. Dass es auch zum Anbieter von Weiterbildung wird, zeichnet sich bereits ab. (Bild: Pixabay)

Vor ein paar Jahren noch war es völlig in Ordnung, für Informationen zu bezahlen. Man kaufte eine Zeitung und finanzierte so die Produktion der Information mit. Natürlich war es vor allem die Werbung, welche die Gewinne der Medienhäuser in die Höhe trieb. Nichtsdestotrotz machten die Abonnements stets einen wichtigen Teil des Umsatzes aus.

Einnahmequellen verschwanden

Beide Einnahmequellen hat die Digitalisierung für die traditionellen Medienhäuser, wenn nicht ganz zum Verschwinden gebracht, so doch deutlich schrumpfen lassen. Am Werbekuchen zehren mit dem Siegeszug digitaler Medien auch branchenfremde Unternehmen, Google zum Beispiel oder Swisscom und andere, die stark frequentierte Internetseiten betreiben.

Fatales Selbstverschulden

Mit dem Angebot von Gratis-Inhalten in den Anfangszeiten des Internets haben sich die Verlage jedoch gleich selbst ein Bein gestellt. Heute ist man sich gewohnt, News kostenlos zu beziehen. Mit der Rückerziehung der User zu zahlenden Konsumenten beissen sich die meisten Verlage die Zähne zurzeit aus.

Kostenlose Weiterbildungsangebote boomen

Und was hat das mit der Weiterbildung zu tun? Die wenigsten Anbieter stellen ihre Kurse gratis ins Netz. Soweit so gut. Aber es gibt Ansätze, wonach Anbieter zumindest Teile ihrer Leistung kostenlos zur Verfügung stellen.

Die Klubschule Migros beispielsweise produziert Podcasts zur Ergänzung des Sprachunterrichts; sie sind für jeden gratis und franko zugänglich. Das dient freilich nicht zuletzt dem Marketing und soll neue, zahlende Kunden bringen. Aber bei steigendem Konkurrenzdruck mag die Verlockung wachsen, potentielle Kundschaft noch stärker mit solchen Häppchen anzufüttern. Wo liegt die Grenze?

Weit spannender – oder beunruhigender – sind jene Angeboten im Web, die keine Köderfunktion haben, sondern etwas vermitteln wollen, ohne dass der User dafür bezahlt, zumindest nicht mit Franken und Rappen.

Youtube – ein Lernkanal

Die Menge allein an Youtube-Tutorials, die einem alles Erdenkliche beibringen wollen, ist schlicht nicht mehr zu überblicken. Vom Grundgedanken her sind auch MOOC, Massive Open Online Courses, kosten- und schrankenlos zugänglich. Gratis-Apps für Sprach- oder Gedächtnis- oder Weiss-ich-was-Training stellen eine wachsende Kategorie in den Stores von Apple oder Android dar.

Während man mit bestimmten Apps seine Sprachkenntnisse trainiert, leistet man gleichzeitig einen Beitrag zur Übersetzung oder Sicherung des Internets. So finanzieren sich App-Betreiber indirekt. Das wahre Gold im Internetzeitalter sind aber die Informationen, welche die User von sich preisgeben. Und wo könnte man mehr über sich verraten als beim Lernen?

Academys der Grossen

Die Wissensvermittlung mit Hintergedanken spielt sich jedoch nicht mehr allein im Web ab. Technologieunternehmen wie Google oder Apple haben ihre eigenen Academys aufgebaut, in denen die Lernenden vor allem lernen, Tools anzuwenden und zu vermarkten oder zu programmieren. Sie tragen so zur Verbreitung der Technologie und zur Stärkung der Marktstellung des jeweiligen Unternehmens bei. Das Sendungsbewusstsein von Google reicht inzwischen über reine Technologiekenntnisse hinaus. In der Google-Academy kann man auch Online-Marketing lernen, kostenlos. Damit setzt sich der Gigant in Konkurrenz zu klassischen Anbietern.

Der Weiterbildungsmarkt ist definitiv in Bewegung und die Konkurrenz aus anderen Branchen oder durch einen weltweiten digitalen Markt macht sich auch in der Schweiz bemerkbar. Für die Weiterbildungsanbieter wird es keine Alternative geben, als sich mit den neuen Verhältnissen auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, wie sie damit umgehen wollen. Neue Angebotsformen werden unumgänglich sein. Und auch in Sachen Pricing wird nicht alles beim Alten bleiben.

Der Fehler der Medienbranche war, das Potential der Digitalisierung radikal zu unterschätzen. Diesen Fehler sollte man auf keinen Fall wiederholen.

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