In Lern-Podcasts steckt viel Arbeit

Das Schnittpult im Tonstudio, in dem die Klubschul-Podcasts produziert werden.

Das Schnittpult im Tonstudio, in dem die Klubschul-Podcasts produziert werden. (Bild: Ronald Schenkel)

„Die Menschen wollen heute selbst entscheiden, wo und wann sie etwas lernen.“ Das sagt Mirjam Jaeger. Sie ist Projektleiterin des Podclubs der Klubschule Migros. Seit 2008 bietet die Klubschule Sprach-Podcasts an, die das Lernen unterstützen sollen.

Die Freiheit, sich den Zeitpunkt des Lernens selbst auszusuchen, hat mit der Digitalisierung Einzug gehalten. Früher oder später wird sich denn jeder Weiterbildungsanbieter überlegen müssen, ob und in welcher Form er den klassischen Unterricht mit digitalen Angeboten erweitern will, um einem Kundenbedürfnis zu entsprechen. Und nicht nur wollen Menschen über das Wann entscheiden. Sie wollen gleichzeitig möglichst effizient lernen und darüber hinaus Spass dabei haben.


Weil es in diesem Blog ums Hören geht, bieten wir das Gespräch mit Mirjam Jaeger und Paloma Garcia Amorena natürlich auch gleich als Audio-Cast an.


Die Quadratur des Kreises funktioniert mit den Podcasts ganz gut, zumindest für die Klubschule, die die Sprach-Stücke seit 2008 für jeden frei zugänglich anbietet.

Kein geringer Aufwand

Aber der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Die Klubschule setzt auf professionelles Equipment und einen Toningenieur. Das kostet schon mal. Aber die eigentliche Finesse liegt beim Inhalt. Wer einen Podcast produziert, muss die Kunst „Schreiben fürs Hören“ beherrschen; muss auf Satzlänge und –komplexität achten, muss Bilder kreieren und sein Publikum auch mal direkt ansprechen. Und natürlich sollte man authentisch und lebendig rüber kommen.

Trotzdem, gerade für Sprachlernende müssen das Vokabular und das Tempo fassbar bleiben. Die Podcasts der Klubschule richten sich an die Niveaus A2 bis B1. Komplizierte Wörter werden in der Fremdsprache erklärt.

Nicht einfach was aus dem Lehrbuch

Die Programmverantwortliche, Sprachlehrerin und selbst Podcasterin, Paloma Garcia Amorena, betont zudem den Aufwand, der mit der Themenfindung einhergeht. Man will die Zuhörerinnen und Zuhörer unterhalten und ihnen auch etwas von der Kultur der Länder vermitteln, deren Sprache sie lernen. Da reicht es nicht, einen Text aus einem Lehrbuch runterzulesen. Die Geschichten müssen spannend sein und eine gewisse Aktualität aufweisen. Sie müssen den Zuhörer, die Zuhörerin etwas angehen.

Kurz gesagt: Digitale Inhalte zu produzieren, ist keine Kleinigkeit und will gut geplant sein. Wer gar den Schritt vor die Kamera wagt, sollte sich seiner Kameratauglichkeit im Klaren sein. Selbst Institutionen wie Universitäten setzen da zuweilen auf die falschen Protagonisten. Nicht jeder gute Lehrer, nicht jede gute Theoretikerin ist automatisch auch Moderator oder Podcasterin. Das muss man sich bewusst sein.

Erweiterbar

Doch hat man erst einmal ein funktionierendes Angebot, lässt sich darauf aufbauen.  Die Podcasts der Klubschule sind in eine Lern-App integriert, die unter anderem auch einen Sprachentrainer bietet. Und es gibt einen Instagram-Account, wo die Podcasterinnen und Podcaster Bilder posten. Damit promoten sie ihre Audio-Stücke und bauen gleich noch eine Community auf. Denn das sind digitale Formate immer auch: Instrumente des Marketings.

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