Können Sie digital?

Der Weg führt auch in der Erwachsenenbildung nicht an der Digitalisierung vorbei. (Bild zvg)

Der Weg führt auch in der Erwachsenenbildung nicht an der Digitalisierung vorbei. (Bild zvg)

In der Erwachsenenbildung hält die Digitalisierung erst langsam Einzug. Aber dem Trend können sich auch die Ausbildenden nicht entziehen.

Sobald es um Bildung geht, ist die Digitalisierung zurzeit in ganz Europa omnipräsent. Auch in Schweizer Medien kann sich diese Thematik nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen, wobei es meistens um den Arbeitsmarkt geht. Die Erwachsenenbildung aber hat den gewichtigsten Megatrend der letzten Jahrzehnte immer noch nicht auf dem Rader. Oder höchstens am Rande. Und das, obwohl die Schweiz in Sachen Qualifizierung von Ausbildenden eigentlich zur europäischen Avantgarde gehört.

Die Frage, wie digitale Tools in Kursen eingesetzt werden sollen, gehört zum Alltag der Kursleiter und Kursleiterinnen. Hinter dem Etikett „Blended Learning“ verbirgt sich aber oft wenig Innovatives; in vielen Fällen geht es lediglich darum, Lernmaterialien statt in gedruckter in elektronischer Form bereitzustellen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Anbieter das e-Learning  für zu aufwändig, zu teuer und im Grunde nutzlos halten.

Vor zwei Jahren befragte der SVEB im Rahmen der jährlichen Bildungsstudie 1000 Fachausweis-InhaberInnen zur Frage, welche Kompetenzen sie in ihrem Beruf effektiv brauchen. Der Grossteil der Befragten beurteilte die Relevanz von Medienkompetenz und IKT für ihre Arbeit als gering. Die Anbieter schätzten den Stellenwert dieser Kompetenzen leicht höher, aber immer noch eher gering ein, wobei dieser Unterschied auf einen kleinen Graben zwischen den Anbietern und ihrem Personal schliessen liess.

Das Digitale kommt langsam an

Allmählich scheint das Interesse der Weiterbildungsszene an der Digitalisierung aber doch zu steigen. So tauchen vermehrt Projekte auf, die nicht danach fragen, was e-Learning den Teilnehmenden bringt, sondern den Fokus auf die Ausbildenden selbst verlagern: Wie steht es um deren digitale Kompetenzen? Inwiefern haben sie die Tragweite der gesellschaftlichen Verschiebungen erfasst, die die digitale Revolution in Gang setzt? Ist ihnen klar, dass sie irgendwann aus der Zeit fallen, wenn sie als Ausbildende die Digitalisierung ignorieren?

Wer sich umhört, findet zurzeit Hinweise auf eine ganze Reihe an Projekten und Initiativen, die den Fokus vom Teilnehmer hin zum Kursleiter verschieben, die also den Blick vom Kursraum zur Professionalisierung des Personals erweitern. So lanciert beispielsweise die österreichische Organisation CONEDU mit EBmooc einen offenen Online-Kurs zu digitalen Werkzeugen für die Erwachsenenbildung. Ziel ist, Ausbildenden den Umgang mit dem digitalen Werkzeugkoffer beizubringen. Das Angebot startet im März, ist kostenlos und jedem zu empfehlen, dessen digitale Fitness zu wünschen übrig lässt.

Interessant ist ausserdem, dass das gewohnte „Blended Learning“ auf den Kopf gestellt wird: Es geht nicht darum, wie e-Learning das Präsenzlernen ergänzt, sondern umgekehrt: Man startet online und entscheidet nach und nach, was und wie viel es an Treffen und Austausch braucht, ganz nach dem Motto: „Menschen mögen es, für sich Dinge zu erarbeiten und auszuprobieren – und Menschen mögen es, sich zu treffen und auszutauschen.“

Andere Länder ziehen mit

Ergänzend zum EBmooc stellt erwachsenenbildung.at Artikel, wEBtalks und Veranstaltungen zur Verfügung. Ähnliche Initiativen entstehen zurzeit in anderen Ländern. So startet beispielsweise auch in Spanien nächstens ein MOOC mit ähnlicher Ausrichtung. Neben dem Lehren und Lernen kommt in diesen Angeboten immer auch die e-Beratung zur Sprache. Ein Thema, das international diskutiert wird, in der Schweiz aber trotz steigendem Beratungsbedarf ebenfalls noch nicht angekommen ist.

Vieles spricht dafür, dies zu ändern, denn: „Seit jeher ist die professionelle Beratung bemüht, KundInnen dort abzuholen, wo sie sind. Mittlerweile sind sie oft online, wo die Beratung sie auch abholt.“ (Birgit Aschemann, erwachsenenbildung.at).

Mit einer App die Lust aufs Digitale wecken

Die digitale Kompetenz von Ausbildenden ist auch Thema in verschiedenen Projekten, so beispielsweise bei DEMAL (Designing, monitoring and evaluating adult learning classes). Im Fokus steht hier nicht die Arbeit im Kursraum, sondern das Davor und das Danach: Es geht um die Kompetenzen zur Planung und zur Evaluation von Kursangeboten. So weit so konventionell. Das besondere daran ist, dass Kompetenzprofile erstellt werden, wobei die zwei Kernkompetenzen Programmplanung und –evaluation mit der digitalen Kompetenz verknüpft werden sollen.

Wer mit Hilfe der DEMAL-App lernt, ein Kursdesign zu erstellen, befasst sich also nicht zuerst mit Programmentwicklung und fragt anschliessend, wie er digitale Werkzeuge dafür nutzen kann. Er lernt beides gleichzeitig. Etwa so, wie man auch nicht zuerst lesen lernt und erst danach ein Buch zur Hand nimmt.

Ein Prototyp der DEMAL-App wurde bereits vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung DIE entwickelt. Die ersten Praxistests zeigten gemäss DIE, dass die Kurse auf diese Weise differenzierter geplant wurden und sich stärker an den Teilnehmern orientierten. Hintergedanke dieses Ansatzes ist, dass Personen in der Erwachsenenbildung motiviert werden sollen, Digitales in ihre Arbeit zu integrieren und sich selbst auf diesem Gebiet weiterzubilden. Da ihr Interesse daran eher gering ist, dürften sich die Ausbildenden nur dann darauf einlassen, wenn sie davon einen Vorteil erwarten können, zum Beispiel eine bessere oder schnellere Kursplanung.

Die DEMAL-App wird in einem internationalen Projekt, an dem auch der SVEB beteiligt ist, entwickelt und im Lauf dieses Jahres getestet.

Bildungsstudie und Plattformtagung

Der SVEB als Dachverband und Ko-Träger des AdA-Systems verfolgt diese Entwicklung und trägt über Projekte und Netzwerke dazu bei, dass das Thema Digitalisierung in der Weiterbildung aufgenommen und als Teil der Professionalisierung diskutiert wird. Dazu gehört unter anderem die Bildungsstudie 2017, wo wir in Kooperation mit der PH Zürich der Frage nachgehen, wie Weiterbildungsanbieter und Kursleitende mit der Digitalisierung umgehen. Und wenn sich die AdA-Plattformtagung im Herbst das Thema „Kursleiterkompetenzen für morgen“ vornimmt, wird auch das Thema Digitalisierung auf dem Programm stehen.

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