Die Roboter und das Weiterbildungsgesetz

Damit man mit den Robotern Schritt halten kann, braucht es Weiterbildung. (Bild: Ryan McGuire under CC)

Damit man mit den Robotern Schritt halten kann, braucht es Weiterbildung. (Bild: Ryan McGuire under CC)

„Für 15 Millionen Franken werden derzeit in der Schweiz neue Fabriken hochgezogen.“ Das vermeldete die NZZ am Sonntag vor kurzem. Schön. Die Industrie kehrt zurück. Aber sie ist eine andere als damals, als der Standort Schweiz zugunsten von billigeren Produktionsländern aufgegeben wurde. Denn an den Fliessbändern in den Fertigungshallen werden keine Menschen stehen. Die Produktion wird weitgehend von Robotern erledigt werden.

Roboter kosten überall gleich viel

Diese Roboter haben viel dazu gelernt. Sie können Dinge, die man ihnen vor 10 Jahren nicht zugetraut hätte. Sie können zum Beispiel mit Leder und Textilien umgehen, was vor wenigen Jahren noch als unvorstellbar galt, schreibt die NZZ am Sonntag.

Ob Roboter nun in Thailand Schuhe kleben oder in der Schweiz, spielt von den Kosten her keine Rolle. Roboter kosten überall gleich viel. Unternehmen, die ihre Produktion in die Schweiz zurückverlagern und für europäische Märkte produzieren, sparen sogar, weil die Transportkosten wegfallen.

Neue Jobs sind anspruchsvoller

Für die Menschen in den Unternehmen bedeutet dies aber, dass keine einfachen Jobs zurückkommen, sondern neue angeboten werden, die eine höhere Qualifizierung erfordern. Einfach gesagt: An die Stelle von Fingerfertigkeit und Kraft treten kognitive und kommunikative Fähigkeiten. Wer nicht lesen, schreiben oder mit einem Computer arbeiten kann, wird auch keinem Roboter sagen können, wo es lang geht. Kurz: Ohne Grundkompetenzen findet man in den Fabriken der jetzt begonnen Zukunft keinen Job.

Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, grundlegende IT-Kenntnisse und Alltagsmathematik sind aber keine Selbstverständlichkeit – jedenfalls nicht für viele Menschen in der Schweiz. Umso wichtiger ist ihre Förderung. Die gute Nachricht: Seit dem 1. Januar ist das Weiterbildungsgesetz in Kraft, das just dieses Ziel anstrebt. Allerdings hat es einen Haken. Und schon kommt die schlechte Nachricht: Der Bund stellt zwar Geld zur Verfügung für Programme. Aber diese Programme müssen von den Kantonen lanciert und ebenfalls mitfinanziert werden. Der Finanzierungsschlüssel ist typisch schweizerisch, nämlich subsidiär. Bund und Kantone zahlen zu gleichen Teilen.

Zürich: schlechtes Vorbild

Steigen die Kantone auf den Deal ein? Es sind klamme Zeiten. Der Kanton Zürich beispielsweise hat die kantonale Förderung der Grundkenntnisse kurzerhand auf Eis gelegt. Er hat die Förderung der Grundkompetenzen aus dem Berufsbildungsgesetz, über das bis jetzt die Finanzierung sichergestellt worden war, gestrichen. Bis die Lücke geschlossen wird, dürfte es einige Zeit dauern.

Die Kantone haben aber nur bis Ende April Zeit, beim Bund zumindest eine Absichtserklärung für ein Programm zu deponieren. Wer die Frist verpasst, kann später nichts nachreichen.

Das sind nicht gerade flexible Spielregeln. Und viel Geld stellt der Bund auch nicht zur Verfügung: fünfzehn Millionen Franken auf vier Jahre hinaus. Gemessen an der Gesamtsumme, welche die Eidgenossenschaft für die nächsten vier Jahre in die Bildung investiert – 26 Milliarden Franken – ein Klacks.

Der schreibende Roboter

Zurück zu den Robotern. Sie, die nun in neu entstehenden Fabriken sozusagen die Handarbeit erledigen, sind nur die Speerspitze einer Industrie 4.0. In unserer Arbeitswelt werden sie überall präsenter, lösen Menschen ab selbst in Bereichen, in denen wir den menschlichen Faktor gerne für unverzichtbar halten möchten. So gibt es bereits Roboter, die Sportberichte verfassen und sich mit Journalisten aus Fleisch und Blut durchaus messen können.

Jobs für Menschen, die nicht einmal einen Beipackzettel für Aspirin lesen können, keine einfachen Rechnungen ausführen können und nicht wissen, dass eine Maus heutzutage nicht nur ein Nager ist, haben auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr. Verlieren sie ihre Jobs, werden sie von der Sozialhilfe abhängig. Das kann keine Option sein.

Den Spatz in der Hand

Ein Weiterbildungsgesetz des 21. Jahrhunderts, das dieser Entwicklung nicht Rechnung trägt, ist kein innovatives Gesetz. Ist unser Weiterbildungsgesetz innovativ? Jein. In Bezug auf die Grundkompetenzen hätte man sich mutigere Schritte und mehr Geld wünschen mögen. Aber immerhin: Den sprichwörtlichen Spatz hat man in der Hand. Und der kann auch noch richtig flügge werden, wenn es gelingt, die Möglichkeiten des Gesetzes zu nutzen. Der SVEB wird das tun und sich dafür einsetzen, dass Menschen den Robotern weiterhin den Marsch blasen.

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