Weiterbildung – eine unternehmerische Aufgabe

Kürzlich habe ich ein Startup kennengelernt, das in Zürich eine Textilwerkstatt unterhält. Es versteht sich als Kompetenzzentrum für nachhaltige Textilien und heisst „Social Fabric“. Es hat sich überdies zum Ziel gesetzt, Flüchtlingen den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Dafür hat Social Fabric – allen behördlichen Widrigkeiten zum Trotz – einen Praktikumsplatz für einen jungen Afrikaner geschaffen. Finanziert wurde das Praktikum durch eine Crowdfunding-Kampagne.

Der junge Mann legte sich richtig ins Zeug. Er wolle niemandem auf der Tasche liegen, sagte er mir im Gespräch, sondern wolle seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen. Arbeit sei für ihn das Wichtigste. So nähte und schneiderte er sich die Finger wund. War glücklich und zufrieden und hoffte, dass aus seinem Praktikum eine feste Anstellung würde.

Sprachprobleme

Nur ein kleines Problem drängte sich immer stärker in den Vordergrund. Der junge Mann aus Côte d’Ivoire sprach Französisch. Vor allem Französisch. Die beiden Unternehmerinnen leider nicht. Was tun?

Wer es fertig bringt, ein Startup zum Laufen zu bringen, ist in der Regel nicht mit Phantasielosigkeit geschlagen. Bald hingen im Atelier überall Zettel auf denen Scheren, Massbänder, Stoffballen, Nadeln gezeichnet waren, kurz alles, was zum Schneidern braucht. Darunter die deutschen Namen der Werkzeuge.

Pragmatischer Deutschunterricht an Ort und Stelle des Geschehens ohne viel Aufwand, sympathisch, zugänglich.

Basiswissen für den Alltag

Die Aktion wird einen soliden Deutschkurs wohl nicht ersetzen. Aber sie legt eine Basis, und sie löst grundsätzliche Kommunikationsprobleme im Alltag. Nicht jede Weiterbildungsmassnahme setzt eine generalstabsmässige Planung voraus und hat riesige Unkosten zur Folge. Auch mit kleinen Interventionen kann viel erreicht werden. Es braucht aber den Willen vor allem jener Personen, welche ein Problem als solches erkennen.

Im Fall des Nähateliers war dies nicht der junge Mann aus Côte d’Ivoire. Für ihn war die Sprachbarriere unangenehm. Aber er sah die damit verbundenen Komplikationen fürs Unternehmen und den Betrieb kaum. Es waren die Unternehmerinnen, für die eine funktionierende Kommunikation als Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb im Vordergrund stand. Sie sahen sich denn auch in der Pflicht, etwas zu ändern. Sie verstanden Weiterbildung als Teil ihrer unternehmerischen Aufgabe.

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